Arbeiten mit dem, was da ist – vom Ärgernis zur Ressource: Mulch aus Wildpflanzen
Fotos: Tim Wendland
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Kann ein Ärgernis eine Ressource werden?
Im Garten fällt oft mehr organisches Material an, als wir denken – und vieles davon begegnet uns zuerst als „Problem“: Wildpflanzen, die überall auftauchen, schnell nachwachsen und scheinbar stören. Genau darin steckt aber eine Ressource. Statt alles zu bekämpfen oder zu entsorgen, lohnt es sich, das Vorhandene als Teil eines Kreislaufs zu sehen: Was ohnehin wächst oder beim Mähen und Jäten anfällt, kann den Boden schützen und verbessern. Der Einsatz als Mulch ist dafür ideal: Er deckt den Boden ab, bremst unerwünschten Aufwuchs, hält den Boden feucht, fördert das Bodenleben – und kommt oft direkt aus dem eigenen Garten.
Was ist vorhanden und womit kann ich arbeiten?
Beobachten, nicht ärgern und das Vorhandene nutzen. Rasenschnitt ohne Samenstände lässt sich direkt einsetzen. Wer Ackerschachtelhalm, Giersch oder andere schnellwachsende Wildpflanzen im Garten hat, kann diese frisch oder nach dem Antrocknen und Zerkleinern als Mulch auf Gemüse- und Hochbeete geben. Dabei aber unbedingt darauf achten, keine Wurzelstücke in die Beete zu bringen. Wer es nicht dem Zufall überlassen will, kann bekannte Pflanzen aus der Permakultur wie Beinwell, Borretsch oder Brennnesseln nutzen und diese gezielt für ihre Blattmasse anbauen.
Wie mir der Schachtelhalm die Augen öffnete – ein Plädoyer zum Umdenken
Rasenschnitt kam nicht mehr in Frage. Was nun?
Wer seinen Garten gut beobachtet, findet überraschend viel nutzbares Mulchmaterial, das ohnehin anfällt. Mir selbst ging dieses Jahr ein Licht auf: Nach einem stark verlängerten „No Mow May“ war unser (Kräuter)Rasen zwar üppig, hatte aber längst diverse Samenstände gebildet. Das Schnittgut direkt auf die Beete zu geben, kam also nicht infrage – ich wollte mir den Ärger mit unerwünschtem Aufwuchs ersparen. Die eine oder der andere hat vielleicht gar keinen Rasen, sondern Wildkräuterwiesen, die nur selten gemäht werden, oder ganz andere Gegebenheiten im Garten. Also habe ich mich mal umgeschaut, was der Garten sonst noch hergibt.
Eine Nervensäge, die zur Lösung wurde.
Und da war er: der Ackerschachtelhalm. Seit Jahren ärgern und plagen wir uns mehr oder weniger mit ihm herum. Er wuchert bei uns ohnehin, und wir hatten ihn bislang vor allem als lästig empfunden. Es ist auch einfach zu viel, um ihn vollständig zu verjauchen. Wir haben ihn also ausgezogen, in der Sonne antrocknen lassen (manchmal auch frisch verwendet), zerkleinert und dann als Mulch auf die Gemüse- und Hochbeete gegeben. Mein Eindruck: Es funktioniert gut, der Boden bleibt darunter merklich feuchter. Vielleicht hält die etwas rauere Struktur des getrockneten Schachtelhalms zusätzlich Schnecken ab? Schauen wir mal.
Bewusste Ergänzung als Perspektive
Eine echte Permakultur-Geheimwaffe (naja, so geheim nun auch nicht mehr …), die ich mir für die Zukunft noch stärker vorstellen kann, ist der Beinwell „Bocking No. 14” (Symphytum × uplandicum). Diese ausdauernde und – besonders wichtig – sterile Staude produziert mit ihren großen, nährstoffreichen Blättern enorme Mengen an Biomasse. Sie ist eine sogenannte Akkumulatorpflanze: Mit ihren bis zu zwei Meter tief gehenden Wurzeln holt sie Kalium, Stickstoff, Phosphor, Calcium und Magnesium aus Bodenschichten herauf – die normale Flachwurzler nicht erreichen – und speichert all das in den Blättern. Was mich daran fasziniert: Man pflanzt sie einmal, und der Garten arbeitet danach von selbst. Um es noch einmal zu betonen: Für den Kleingarten und generell besonders empfehlenswert ist die sterile Sorte „Bocking No. 14″, die sich nicht selbst aussät und dadurch nicht wuchert. Beinwell kann bis zu vier- oder fünfmal pro Jahr bodennah abgeschnitten werden; die Blätter legt man direkt als Mulch z. B. um Starkzehrer wie Tomaten, Gurken oder Kürbis.
Immer genau hinsehen
Das Grundprinzip, das mir dabei immer klarer wird: Der Garten zeigt uns, was er hat – wir müssen nur genau hinschauen und immer bereit sein, umzudenken und mit den Gegebenheiten zu arbeiten. Statt Materialien zusätzlich zu kaufen oder aufwändig herzustellen, lohnt es sich, erst einmal zu fragen: Was ist ohnehin schon da? Das spart Geld, Wege, Ärger und hält die Kreisläufe erfreulich klein.
Weiterführende Links
- BR Querbeet: Beinwell als Mulch – Praxisvideo aus dem Querbeet-Garten
- Gartenfreunde Berlin: Traue keinem Garten ohne Unkraut – Wildpflanzen im Garten sinnvoll einsetzen, u. a. Ackerschachtelhalm
- BDG Grüne Schriftenreihe: Fachberatung II, 2024 (PDF) – Mulchen und Kreislaufwirtschaft im Kleingarten praktisch umgesetzt
- meingartenverein.de: Wasser im Kleingarten – Teil 2: Bewässerung & Boden – Ergänzende Tipps zum Wassersparen und Mulchen aus unserer eigenen Artikelreihe
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