Herbstlaub: Lebensraum, kein Gartenabfall
Foto: Flora Incognita, CC BY 4.0
Inhalt
Kurz erklärt
Herbstlaub ist kein lästiger Rest, der möglichst schnell verschwinden muss. Es ist Schutzdecke, Speisekammer und Rohstoff zugleich. Unter den Blättern überwintern Insekten, Spinnen und andere Kleintiere. Igel finden in Laub- und Reisighaufen ein geschütztes Quartier. Bodenorganismen zersetzen das Material, führen Nährstoffe zurück und fördern die Humusbildung. Davon profitieren Boden, Pflanzen und Tierwelt – und alle, die Nährstoffe im Garten halten und weniger aufräumen möchten.
Was jetzt sinnvoll ist
Unter Bäumen, Sträuchern und auf abgeräumten Beeten kann gesundes Laub liegen bleiben. Überschüsse lassen sich locker in einer ruhigen Gartenecke aufschichten oder kompostieren. Von Wegen, Treppen, Rasenflächen, immergrünen Polsterstauden und aus dem Gartenteich sollte es entfernt werden. Besen, Rechen oder Harke ermöglichen ein gezieltes und leises Arbeiten, ohne Laub und Kleintiere großflächig aufzuwirbeln.
Warum Herbstlaub wertvoll ist
Laub schützt den Boden
Eine lockere Laubschicht bremst die Verdunstung, gleicht Temperaturschwankungen aus und schützt unbedeckten Boden vor Witterungseinflüssen. Unter Gehölzen bleibt dadurch ein natürlicher Kreislauf erhalten: Was der Baum abwirft, wird von Pilzen, Bakterien, Regenwürmern, Asseln und anderen Bodenlebewesen nach und nach verarbeitet.
So verbleiben organische Substanz und ein Teil der darin enthaltenen Nährstoffe im Garten. Das unterstützt das Bodenleben und verbessert langfristig die Bodenstruktur.
Auch Gemüse- und Staudenbeete können mit einer lockeren Laubschicht abgedeckt werden. Einige Zweige halten leichtes Laub an seinem Platz. Damit keine nasse, luftundurchlässige Matte entsteht, sollte die Schicht locker und nicht zu dick aufgetragen werden.
Rasenflächen und empfindliche immergrüne Polsterstauden bleiben besser frei. Unter einer geschlossenen Laubdecke fehlen ihnen Licht und Luft. Auch aus dem Gartenteich sollte ein Großteil der Blätter entfernt werden, da verrottendes Laub dem Wasser Sauerstoff entzieht.
Ein Winterquartier in ruhiger Ecke
Ein Laubhaufen wird besonders wertvoll, wenn er locker mit Zweigen und Reisig kombiniert wird. In einer ruhigen und geschützten Gartenecke bietet er Igeln, Erdkröten, Insekten und anderen Kleintieren Deckung.
Ein einmal angelegtes Quartier sollte bis ins späte Frühjahr möglichst unberührt bleiben. Vor dem Umsetzen ist vorsichtig zu prüfen, ob der Haufen noch bewohnt ist. Je nach Witterung können Igel ihre Winterquartiere bis in den Mai nutzen.
Von einer solchen Gartenecke profitiert auch die Vogelwelt. Amseln, Rotkehlchen und andere Vögel suchen in der Laubschicht nach Würmern, Insekten, Larven und weiteren Kleintieren. Liegengebliebenes Laub ist daher kein Zeichen fehlender Pflege, sondern kann bewusst gestalteter Lebensraum sein.
Herbstlaub sinnvoll verwerten
Was nicht als Mulch oder Winterquartier gebraucht wird, kann kompostiert werden. Im normalen Gartenkompost werden trockene Blätter am besten mit feuchterem, stickstoffreicherem Material gemischt – etwa mit Rasenschnitt, frischem Grünmaterial oder geeigneten Gemüseresten.
Größere Mengen lassen sich separat in einem luftigen Drahtkorb sammeln und zu Lauberde umwandeln. Dieser Prozess verläuft langsam, liefert aber einen lockeren Bodenverbesserer. Dicke und zähe Blätter verrotten schneller, wenn sie vorher zerkleinert oder mit feinerem Material gemischt werden.
Befallenes Falllaub sollte aus dem Beet entfernt werden. Ob es abgedeckt kompostiert werden kann oder über die örtliche Bio- beziehungsweise Grünabfallsammlung entsorgt werden muss, hängt vom jeweiligen Schadorganismus ab. Laub mit Apfelschorf kann beispielsweise unter einer ausreichend starken Abdeckung kompostiert werden; bei anderen Krankheiten kann die Entsorgung im Hausmüll notwendig sein.
Bei unbekannten Blattflecken, starkem Befall oder wiederkehrenden Pflanzenkrankheiten helfen Pflanzenschutzamt, Gartenfachberatung oder kommunale Abfallberatung bei der Einordnung.
Wo ist Aufräumen sinnvoll?
Auf Wegen, Treppen und Gemeinschaftsflächen hat Sicherheit Vorrang. Feuchtes Laub kann rutschig werden und sollte dort regelmäßig entfernt werden.
Meist reichen dafür Besen, Rechen und Harke. Laubsauger können Kleintiere unmittelbar gefährden. Laubbläser entfernen Nahrung und Deckung aus der Bodenschicht, verursachen Lärm und können Staub, Pilzsporen und Tierkot aufwirbeln.
Handarbeit ermöglicht dagegen eine gezielte Entscheidung: Welches Laub muss weg – und wo ist es an Ort und Stelle wertvoller?
Ein einfacher Anfang
Beim nächsten Zusammenrechen kann ein Teil des Laubs unter Bäume und Sträucher wandern. Aus dem übrigen gesunden Material entsteht in einer ruhigen Ecke ein lockerer Laub-Reisig-Haufen. So wird aus einer herbstlichen Gartenarbeit mit wenig zusätzlichem Aufwand ein Beitrag zum Bodenschutz und zur Artenvielfalt.
Weiterführende Links
- Umweltbundesamt: Wohin mit dem Laub? – Umwelt-, Gesundheits- und Lärmaspekte von Laubsaugern und Laubbläsern.
- BUND: Garten naturnah winterfest machen – Laub, Reisig und Mulch im winterlichen Naturgarten.
- NABU Hamburg: Lebensraum Laub – Hintergründe zu Tierwelt, Boden und schonender Laubpflege.
- Berliner Pflanzenschutzamt: Berliner Gartenbrief Nr. 19-25 – Berliner Hinweise zu Mulch, Frostschutz, Rasen und krankem Laub.
- Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands: Laub und Reisig – kurze Handlungsempfehlungen speziell für Kleingärten.
- meingartenverein: Tag des Igels – Laub- und Reisighaufen können Igeln wertvolle Dienste leisten
- meingartenverein: Auch Mecklenburg-Vorpommern untersagt das Verbrennen von Gartenabfaellen – Verbrennen von Laub und Gartenabfällen ist speziell im Kleingarten verboten.
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