Igel im Winter: Weniger aufräumen, richtig helfen

Braunbrustigel zwischen Laub und Reisig in einer naturnahen Ecke eines herbstlichen Kleingartens.

Foto: Flora Incognita, CC BY 4.0

Im Herbst brauchen Igel vor allem Nahrung, sichere Wege und ungestörte Verstecke. Wer im Kleingarten etwas Unordnung zulässt, Gefahren beseitigt und bei vermeintlichen Notfällen genau hinsieht, hilft nachhaltiger als mit vorschnellem Eingreifen.

Inhalt

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Laub, Reisig, Totholz und ungeschnittene Stauden bieten Nahrung und Schutz.
  • Winterquartiere, Holzstapel und Komposthaufen sollten möglichst ungestört bleiben.
  • Bodennahe Durchgänge verbinden benachbarte Parzellen.
  • Wasserstellen, Teiche, Netze und Schächte müssen für Wildtiere sicher sein.
  • Kranke, verletzte oder hilflose Igel brauchen fachkundige Hilfe.
  • Körpergewicht, Jahreszeit und Tagaktivität allein reichen nicht aus, um einen Notfall festzustellen.

Warum Igel im Winter noch unterwegs sind

Ende Oktober und teilweise noch im November sind viele Igel auf Nahrungssuche. Sie fressen Käfer, Regenwürmer und andere Wirbellose, bauen ihre Winternester und legen Fettreserven für die nahrungsarme Zeit an.

Wann der Winterschlaf beginnt, hängt unter anderem vom Jahresrhythmus, von der Tageslänge, dem Nahrungsangebot und der Witterung ab. Deshalb ist ein spät im Jahr aktiver Igel nicht automatisch hilfsbedürftig. Häufige Wechsel zwischen milden Phasen und Kälteeinbrüchen können jedoch zusätzliche Energie kosten, weil die Tiere dabei wiederholt aufwachen.

Geeignete Nahrungsflächen, Verstecke und sichere Wanderwege fehlen vielerorts. Dichte Zäune, ausgeräumte Gärten, Pestizide und abnehmende Insektenbestände erschweren den Tieren die Nahrungssuche. Am meisten hilft deshalb ein strukturreicher und gut vernetzter Lebensraum.

Wie können wir Igel im Winter in unseren Gärten unterstützen?

So wird die Parzelle igelfreundlich

Im Herbst gilt: weniger aufräumen und mehr liegen lassen. In einer ruhigen Gartenecke können Laub, Reisig und Äste locker aufgeschichtet werden. Auch Laub unter Sträuchern, ungeschnittene Staudensäume, Kompost sowie Totholz- und Reisighaufen bieten Verstecke und fördern die Wirbellosen, von denen sich Igel ernähren.

Bereits vorhandene Holzstapel, Komposthaufen und mögliche Winterquartiere sollten während der kalten Jahreszeit nicht umgesetzt werden. Auch ein belegtes Igelhaus darf nicht geöffnet oder kontrolliert werden. Vor unvermeidbaren Arbeiten an Laub-, Holz- oder Schnittguthaufen muss vorsichtig geprüft werden, ob sich dort ein Tier verbirgt.

Weitere wichtige Maßnahmen sind:

  • Mähroboter nur tagsüber und unter Aufsicht einsetzen.
  • Vor dem Mähen oder Arbeiten mit Freischneidern dichte Randbereiche von Hand kontrollieren.
  • Auf Laubsauger und Pestizide verzichten.
  • Netze straff spannen oder entfernen, damit sich keine Tiere darin verfangen.
  • Offene Schächte abdecken.
  • Teiche mit flachen Ufern oder stabilen Ausstiegshilfen versehen.

Nächtlich arbeitende Mähroboter können Igel schwer verletzen, weil sich die Tiere bei Gefahr häufig einrollen, statt zu fliehen. Steile Teichufer sind ebenfalls gefährlich: Igel können zwar schwimmen, benötigen aber eine Möglichkeit, das Wasser wieder zu verlassen.

Igelwege gemeinsam planen

Bodennahe Öffnungen von etwa 13 mal 13 Zentimetern ermöglichen Igeln den Wechsel zwischen benachbarten Gärten. In Kleingartenanlagen sollten solche „Igelwege“ nicht an der nächsten Parzellengrenze enden. Vereine können gemeinsam geeignete Verbindungen planen, Durchgänge kennzeichnen und bei Pflegearbeiten auf bekannte Rückzugsorte hinweisen.

Hecken mit dichtem Fuß, wilde Ecken, Laub unter Gehölzen und durchlässige Parzellengrenzen schaffen ein Mosaik aus Nahrung, Deckung und sicheren Wegen. Davon profitieren auch zahlreiche Insekten, Amphibien und andere Kleintiere.

Ein einzelner naturnaher Garten hilft. Noch wirksamer ist ein zusammenhängendes Netz aus geeigneten Parzellen und Grünflächen

Warum der Schutz wichtiger wird

Der Braunbrustigel beziehungsweise Westeuropäische Igel wird seit 2024 auf der internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „Near Threatened“, auf Deutsch „potenziell gefährdet“, geführt. Zuvor galt die Art international als nicht gefährdet.

„Potenziell gefährdet“ bedeutet, dass die Art derzeit noch nicht zu den unmittelbar gefährdeten Kategorien zählt, sich einer solchen Einstufung aber annähert. Entscheidend sind daher nicht nur einzelne Winterquartiere, sondern ausreichend große und miteinander verbundene Lebensräume.

Wann braucht ein Igel Hilfe?

Ein Igel am Tag ist ein Anlass, genauer hinzusehen, aber nicht automatisch ein Notfall. Im Herbst können gesunde Tiere länger nach Nahrung suchen. Auch ein zuvor aufgestörter Igel kann tagsüber einen neuen Unterschlupf suchen.

Auf eine Hilfsbedürftigkeit können folgende Merkmale hinweisen:

  • Offene Wunden oder andere erkennbare Verletzungen
  • Apathie, Taumeln oder Krämpfe
  • Fehlende Reaktion und ausbleibendes Einrollen
  • Unterkühlung
  • Auffällige Atemgeräusche
  • Starker sichtbarer Parasitenbefall
  • Eingefallene Flanken oder deutlich erkennbare Rippen
  • Eine Einbuchtung hinter dem Kopf, die sogenannte Hungerfalte
  • Aktivität bei Schnee, Dauerfrost oder nach deutlichem Wintereinbruch
  • Sehr kleine, offenbar verwaiste Jungtiere

Solche Anzeichen sollten immer im Zusammenhang mit dem Verhalten, der Witterung und den Fundumständen beurteilt werden.

Erste Hilfe für Fundigel

Ein offensichtlich kranker, verletzter oder hilfloser Igel sollte mit Handschuhen gesichert und in einer ausreichend hohen, gut belüfteten Kiste ruhig untergebracht werden. Gewicht, Fundort, Fundzeit und auffällige Merkmale sollten notiert werden. Danach sollte möglichst schnell eine Igelstation oder eine igelkundige Tierarztpraxis kontaktiert werden. Medikamente und Entwurmungsmittel dürfen nicht auf eigene Faust gegeben werden; Diagnose und Behandlung gehören in fachkundige Hände.

Fühlt sich der Bauch des Tieres kälter als die eigene Hand an, muss der Igel zunächst langsam gewärmt werden. Zwangsfütterungen und medizinische Behandlungen dürfen bei einem unterkühlten Tier nicht vorgenommen werden.

Nach fachlicher Rücksprache eignen sich für einen untergewichtigen Igel beispielsweise fleischreiches Katzenfutter oder ungewürztes Rührei. Als Getränk gibt es ausschließlich frisches Wasser. Milch, Obst, Gemüse, Süßigkeiten und gewürzte Speisen sind ungeeignet.

Was rechtlich gilt

Igel sind besonders geschützte Wildtiere. Sie dürfen grundsätzlich nicht der Natur entnommen und als Haustiere gehalten werden.

Verletzte, hilflose oder kranke Tiere dürfen nach § 45 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz vorübergehend aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen. Sobald sie sich wieder selbstständig erhalten können, müssen sie unverzüglich freigelassen werden.

Gemeinsam handeln

Igel sind besonders geschützte Wildtiere. Sie dürfen grundsätzlich nicht der Natur entnommen und als Haustiere gehalten werden.

Verletzte, hilflose oder kranke Tiere dürfen nach § 45 Absatz 5 Bundesnaturschutzgesetz vorübergehend aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen. Sobald sie sich wieder selbstständig erhalten können, müssen sie unverzüglich freigelassen werden.

Gemeinsam kann daraus ein schönes Projekt entstehen in das – begleitet von guter Planung – die ganze Anlage einbezogen werden kann. 

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