Drei Jahre für die Vielfalt – das Projekt „Kleingärten für Biologische Vielfalt“ zieht Bilanz
Foto: Flora Incognita, CC BY 4.0
Worum ging es bei dem Projekt und wer war beteiligt?
Was hat das Projekt konkret bewirkt?
Alle Mitwirkenden sorgten für eine sehr interessante und kurzweilig Veranstaltung
Auf der Abschlussveranstaltung am 2. Juli 2026 wurde ein dichtes und informatives Programm geboten: Bundesfachberater Thomas Kleinworth begrüßte die Teilnehmenden, Matthias Herbert vom Bundesamt für Naturschutz richtete ebenfalls ein Grußwort ans Auditorium. Der Vortrag der Molekularbiologin und Biodiversitätsexpertin Dr. Antje Arnold über Schutz und Schönheit der biologischen Vielfalt (nicht nur) im Garten machte in schönen, teils lustigen, aber besonders in sehr eindrucksvollen Bildern und Beispielen klar, dass Biodiversität nicht die Dekokirsche auf dem Sahnehäubchen des Weltkuchens ist, sondern im Grunde die Etagere, auf der der Kuchen steht. Biodiversität ist stabilisierender Faktor und Lebensgrundlage. Ohne Biodiversität steht die Existenz selbst auf dem Spiel. Das mag jetzt etwas dick aufgetragen klingen, aber so habe ich es empfunden.
Den Kern bildete eine gemeinsame Präsentation des Projektteams – mit Eva Foos, Sarah Buron und Katharina Stein vom BKD sowie Nadine Lechner von der Deutschen Schreberjugend und Kleingartenbloggerin Carolin Engwert – zu Erfahrungen, Ergebnissen und Ausblick. Abgerundet wurde die Runde mit zwei Stimmen aus dem Anwenderkreis und der Praxis. Alex Müller und Tim Wendland – beide in der Fachberatung tätig – berichteten, wie das Projekt ihnen Hilfe, Inspiration und Wissensbasis war.
Die Stimmung war lebendig: Im Chat wurde rege diskutiert, von guten Erfahrungen wie auch Hindernissen im Alltag berichtet, Fragen zur Biodiversität und zur Wissensvermittlung an der Basis wurden offen ausgetauscht. Jede Menge Tipps und Ideen bereicherten den Austausch.
Das Projekt traf einen echten Nerv. Kleingärten sind mit bundesweit rund 44.000 Hektar Fläche wichtige Trittsteinbiotope in städtischen Grünsystemen – potenzielle Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und viele weitere Arten. Gleichzeitig stehen viele Kleingärtnerinnen und Kleingärtner vor der Herausforderung, Nutzung und Naturschutz in Einklang zu bringen. Genau hier setzte das Projekt an: nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit konkreten, umsetzbaren Maßnahmen – von der wilden Ecke mit Brennnesseln über den selbst gebauten Steinhaufen bis hin zur torffreien Erde. Hinter jedem Kleingarten steht mindestens eine Person, und das über das gesamte Bundesgebiet verteilt. So konnte das Projekt mit sehr viel Leben gefüllt werden. Die Gärtnernden konnten von ihren Flächen berichten, was eine Ausgleichsfläche am Ortsrand leider nicht kann, auch wenn sie von ebenso hoher Bedeutung ist. Und genau das schien mir auch ein zentrales Element des Projekterfolgs zu sein.
Der ehrenamtlichen Fachberatung verhalf das Projekt zu einem deutlichen Qualitätsschub – und wird es hoffentlich auch in Zukunft noch tun: Auf dem bundesweiten Fachberatungstreffen Ende April 2026 in Berlin tauschten sich rund 50 Fachberater und Fachberaterinnen aus ganz Deutschland aus – über gute Praxisbeispiele, naturnahe Gartenordnungen und neue Methoden der Umweltbildung. Die Resonanz war überzeugend, der Wunsch nach Vernetzung deutlich, die Nachfrage nach Fortsetzungsformaten hoch.
Die besonders gute Nachricht ist, dass die Projektwebseite auch über den Förderzeitraum hinaus online bleiben und somit weiterhin einen wichtigen Wissensfundus bieten wird.
Das Projekt wurde außerdem 2025 in die Top 10 des UN-Dekade-Wettbewerbs zum Thema „Stadtnatur“ gewählt – eine Auszeichnung, die die gesamtgesellschaftliche Relevanz des Kleingartenwesens für den Naturschutz unterstreicht.
Weiterführende Links
Aus der Pressemitteilung vom 09.12.2025