Kleingärten sind Gold wert – und können noch mehr

Fiktive Kleingartenanlage an der Spree mit Berlin im Hintergrund. Detaillierte Beschreibung unten.

Foto: Tim Wendland erstellt mit Nano Banana

Inhalt

„Viele Kleingärten sind ökologische Wüsten“: Diese Aussage prägt die Überschrift eines rbb24-Interviews, das ansonsten vor allem deutlich macht, wie wertvoll Kleingärten für unsere Städte sind. Die interviewte Landschaftsplanerin Jennifer Schulz von der Universität Potsdam sagt sogar ausdrücklich: „Grundsätzlich sind Kleingärten absolut Gold wert für die Stadt.“ Warum also die negative Zuspitzung? Damit greift der rbb einen Kritikpunkt heraus, während die Leistungen der Gärten erst beim Weiterlesen sichtbar werden.

Mehr als Rasen und Gartenlaube

Schon zu Beginn beschreibt Schulz Kleingartenanlagen als vielfältiges Mosaik unterschiedlich bepflanzter Parzellen. Selbst Gärten mit viel Rasen und wenigen Obstbäumen speichern Wasser und tragen durch Verdunstung zur Kühlung der Städte bei. Hinzu kommt ihre soziale Bedeutung: Als „kleine Dörfer innerhalb der großen Stadt“ ermöglichen sie Begegnung und Gemeinschaft. Auch positive Veränderungen erkennt die Wissenschaftlerin bereits: Menschen schaffen ökologische Nischen und verbessern die Wasserspeicherung ihrer Gärten.

Ebenso eindeutig fällt ihre Einschätzung zum Obst- und Gemüseanbau aus: Er mache „richtig viel Sinn“. Wer selbst anbaut, erlebt, wann Lebensmittel Saison haben und wie viel Arbeit bis zur Ernte nötig ist. Das schafft Wissen und Wertschätzung.

Der im Sinne des Bundeskleingartengesetzes bewirtschaftete Nutzgarten ist damit kein überholtes Pflichtprogramm, sondern ein Lernort. Denn nur wer durch die eigene Erfahrung lernt, kann diese später auch gut weitergeben. Und gerade diese Verbindung von eigenen Anbau vor Ort, dem dafür nötigen Wissen, der Erholung sowie den Begegnungen im Verein und mit Besuchern macht Kleingärten damit zum Verbindungselement praktischer Umweltbildung, Erholung und die Erzeugung eigener Lebensmittel – mitten in der Stadt.

Kritik ohne einen konkreten Maßstab

Das bedeutet nicht, dass auf jeder Parzelle alles bestens läuft. Schulz nennt nachvollziehbare Verbesserungen: weniger Rasen, mehr Vegetationsschichten aus Bäumen, Sträuchern und krautigen Pflanzen, bedeckte Böden und eine bessere Regenwassernutzung. Hier steckt Potenzial, das wir ernst nehmen sollten.

Aber wie viele Kleingärten tatsächlich „ökologische Wüsten“ sind, bleibt im Interview offen. Eine Untersuchung oder Größenordnung wird dafür nicht genannt. Auch die Frage, ob ein „abgezirkelter und aufgeräumter“ Garten ökologisch schlecht sei, führt in die falsche Richtung. Eine gerade Beetkante sagt zunächst wenig darüber aus, ob daneben Nahrung, Nistplätze und Rückzugsräume vorhanden sind. Entscheidend ist die Lebensraumqualität, nicht der optische Eindruck von Ordnung.

Veränderung braucht Wissen statt Abwertung

Der vorgestellte Waldgarten in Berlin-Britz zeigt interessante Entwicklungsmöglichkeiten: vielfältige essbare Bepflanzung, gemeinschaftlich genutzte Bereiche und generationsübergreifenden Austausch. Daraus muss jedoch kein Gegensatz zwischen klassischem Kleingarten und zukunftsfähigem Gärtnern entstehen. Sinnvoller ist, solche Anregungen aufzugreifen und bestehende Regeln daraufhin zu prüfen, ob sie ökologische Verbesserungen ermöglichen oder unnötig erschweren. Auch Schulz betont Gestaltungsspielräume und Wissenstransfer.

Für uns folgt daraus: Vereine sollten Veränderungen nicht abwehren, sondern durch verständliche Fachberatung und gemeinsames Ausprobieren unterstützen. Gleichzeitig verdient das bereits Geleistete Anerkennung. Wer Menschen für naturnahes Gärtnern gewinnen möchte, sollte sie nicht zuerst mit einem Wüstenvergleich begrüßen.

Die eigentliche Stärke des Interviews liegt deshalb nicht in seiner Überschrift, sondern in seiner Perspektive: Kleingärten sind besonders in Städten wichtige Räume, deren Wert sich weiterentwickeln lässt. Nicht entweder wertvoll oder verbesserungsbedürftig – sondern beides zugleich.

Für uns heißt das für unsere Kleingärten

Vereine sollten Veränderungen nicht abwehren, sondern durch verständliche Fachberatung und gemeinsames Ausprobieren unterstützen. Gleichzeitig verdient das bereits Geleistete Anerkennung. Wer Menschen für naturnahes Gärtnern gewinnen möchte, sollte sie nicht zuerst mit einem Wüstenvergleich begrüßen.

Die eigentliche Stärke des Interviews liegt deshalb nicht in seiner Überschrift, sondern in seiner Perspektive: Kleingärten sind besonders in Städten wichtige Räume, deren Wert sich weiterentwickeln lässt. Nicht entweder wertvoll oder verbesserungsbedürftig – sondern beides zugleich.

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