Winterlagerung von Äpfeln ohne Keller
Die Apfelernte im Herbst ist für viele Kleingärtner ein Höhepunkt im Gartenjahr. Doch mit der Freude über die – oft sehr – reiche Ernte kommt gleich die Frage auf: Wie lagert man die Früchte am besten, um sie über die Wintermonate hinweg haltbar zu machen? Apfelmus, Apfelkompott, Apfelchips, Apfelchutney … alles lecker, aber schön wäre es auch ein paar Früchte möglichst frisch durch den Winter zu bringen. Nicht alle Lagerorte sind dafür geeignet. Wer mit einem zu warmen und/oder zu trockenen Keller konfrontiert ist, oder auch gar keinen hat, braucht jedoch nicht zu verzweifeln. Es gibt eine gute Lösung, die wir dieses Jahr ausprobiert haben und die ich gerne mit euch teilen möchte. Denn mit einfachen Mitteln kann ein optimales Mikroklima für die Äpfel geschaffen werden, damit sie lange gut und genießbar bleiben.
Inhalt
Das Problem ungünstiger Lagerbedingungen
Eine warme Wohnung, oder ein warmer, trockener Keller sind suboptimale Lagerorte für Äpfel. Zu hohe Temperatur führt zu einem weiteren Reifungsprozess und kann die Äpfel austrocknen, die damit rasch verderben, während Feuchte das Risiko von Schimmel und Fäulnis erhöht. So begannen auch unsere Überlegungen zu alternativen Lagerplätzen. Wie beispielsweise kann eine ungeheizte Laube oder ein Gartenschuppen trotzdem zu einem geeigneten Lagerort werden. Damit kalte bis frostige Wintertemperaturen nicht zu einem neuen Problem werden, setzen wir hier mit der richtigen Lagertechnik an. Ein Schutz vor Mäusen kann je nach Laube angebracht sein.
Die praktische Lösung: Äpfel in Papiertüten
Eine bewährte Methode ist das Einwickeln der einzelnen Äpfel in Papier. Ideal dafür ist Zeitungspapier. Da nun aber immer weniger Zeitungen gedruckt bzw. gekauft werden und ein Tablet schlecht zum einwickeln von Früchten geeignet ist, können das gute alte Butterbrotpapier oder Butterbrottüten aus Papier – verfügbar in jeder Drogerie – Abhilfe schaffen.
Dieses Methode bietet gleich mehrere Vorteile: Die Papiertüte wirkt als isolierende Hülle um jeden einzelnen Apfel und schafft ein individuelles Mikroklima. Papier ist gleichzeitig atmungsaktiv, bietet somit ein ausreichende Belüftung und verhindert die Ansammlung überschüssiger Feuchte direkt an der Fruchtoberfläche.
Ein weiterer Vorteil dieser Methode liegt in der Schadensbegrenzung. Sollte ein Apfel während der Lagerung verderben oder von Schimmel befallen werden, bleibt dieser Prozess lokal begrenzt. Die Papiertüte wirkt wie eine Schutzbarriere und verhindert, dass Krankheitserreger oder Fäulnisprozesse allzu schnell auf benachbarte Früchte übergreifen. Dies ist ein enormer Vorteil gegenüber der Lagerhaltung ohne Verpackung oder in zu trockener beziehungsweise zu feuchter Umgebung.
Lagerung in stapelbaren Plastik- oder Holzkisten
Die in Papiertüten verpackten Äpfel werden anschließend in große Kisten geschichtet. Kisten bieten sich hier aus mehreren Gründen an: Sie sind stabil, leicht zu handhaben, platzsparend und können bei Bedarf übereinander gestapelt werden. Der Stauraum wird dadurch optimal genutzt. Die Kisten selbst ermöglichen eine gute Belüftung der Früchte, insbesondere wenn sie nicht vollständig verschlossen sind oder über Lüftungsöffnungen verfügen.
Beim Befüllen sollte man die Äpfel locker in die Kisten legen. Wenn das Papier leicht geknüllt wird können auch 2 oder 3 Schichten Äpfel übereinander liegen. Es sollten jedoch nicht zu viele Früchte in die Kisten gepresst werden, um Druckstellen zu vermeiden. Die Kisten werden dann in der unbeheizten Laube oder dem Gartenschuppen übereinander gestapelt, was Platz spart und für Ordnung sorgt.
Schutz vor extremen Temperaturen
Die ungeheizte Laube oder der Gartenschuppen bietet naturgemäß auch in kälteren Wintern ausreichend Schutz vor extremem Frost. Die Lagerung in Kisten verhindert direkten Kontakt zu kalten Böden oder Wänden. Durch das Überdecken der gestapelten Kisten mit einem Laken oder einer Decke – idealerweise aus Baumwolle oder Leinen – wird eine zusätzliche Isolationsschicht geschaffen. Diese Abdeckung hat sogar mehrere Funktionen: Sie isoliert zusätzlich vor Kältestrahlung, schützt vor Luftzug und reguliert die Feuchtigkeit. Unter dieser Abdeckung entsteht ein stabiles Mikroklima, in dem selbst bei frostigen Außentemperaturen die Äpfel nicht erfrieren.
Die Kombination aus Papiertütenverpackung, Lagerkisten und Schutzabdeckung schafft ein gepuffertes Lagersystem, – was wir vom Zwiebelprinzip bei Kleidung her kennen – das Temperaturextreme ausgleicht, sowohl nach oben als nach unten. Temperaturschwankungen werden somit gedämpft, und die Äpfel bleiben über lange Zeit frisch und genießbar.
Praktische Tipps für optimale Lagererfolge
Einige grundlegende Regeln sollten bei der Einlagerung beachtet werden:
- Nur gesunde, unbeschädigte Äpfel sollten eingelagert werden. Beschädigte oder kranke Früchte werden bereits bei der Ernte aussortiert und lieber zu Mus und Co verarbeitet.
- Der Lagerplatz sollte dunkel sein, da Licht die Reifung beschleunigt.
- Regelmäßige Kontrollen sind ratsam – etwa alle paar Wochen sollte man die Lagerbestände kontrollieren und eventuell beschädigte oder schimmlige Früchte sofort entfernen.
- Eventuell müssen die Kisten vor Nagern geschützt werden.
Mit dieser kostengünstigen und effektiven Lagermethode kann die Aufbewahrung der eigenen Äpfel auch ohne (idealen) Keller gelingen. Die Früchte können so noch bis ins nächste Jahr hin gegessen werden und es müssen keine Äpfel aus dem Supermark zugekauft werden. Wir finden: Einen Versuch ist es in jeden Fall wert.
Aktuelles zu unserem Versuch
Dezember
Es ist Mitte Dezember und unsere Äpfel sind nach wie vor frisch und lecker. Sie sind nicht mehr ganz so knackig wie frisch vom Baum, aber noch weit entfernt von mehlig. Natürlich kommt das auch auf die Sorte und ihre individuelle Lagerfähigkeit an. Da uns die Apfelchips langsam knapp wurden, haben wir weitere Äpfel aus dem Garten geholt und mit wunderbar aromatischem Ergebnis getrocknet.
Januar
Ein längerer Kälteeinbruch mit zweistelligen Minusgraden hat uns dazu veranlasst einen kleinen Bereich unserer Laube – in dem auch zwei Oleanderbüsche überwintern und ein paar Getränkekisten vom letzten Vereinsfest stehen – abzuteilen und mit einem Frostwächter auszustatten. Nur wegen der Äpfel hätten wir es drauf ankommen lassen, aber die Pflanzen wollten wir schützen. Dies ist also keine Empfehlung, sondern mehr eine Lageranekdote.
Februar
Folgt …