Wasser im Kleingarten – Teil 1: Grundlagen, Wasser sparen & Regenwasser sammeln

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Wasser ist die wichtigste Ressource im Garten – und gleichzeitig eine, die in unseren Breiten teilweise noch immer gedankenlos eingesetzt wird. Mit trockeneren Sommern, steigendem Wasserbedarf und einem sich verändernden Klima rückt das Thema Wassermanagement auch für (Klein)gärtnerinnen und (Klein)gärtner immer stärker in den Fokus. Wer versteht, wie Wasser im Boden wirkt, wann Pflanzen wirklich trinken müssen – und wie sich Regenwasser auffangen und nutzen lässt – handelt nicht nur nachhaltig, sondern spart zudem auch Geld.

Wasser und Pflanzen – Welche Funktion hat das Wasser?

Wasser ist für Pflanzen weit mehr als nur ein Durstlöscher. Es dient als Transportmedium für Nährstoffe, hält den Zelldruck (Turgordruck) aufrecht, ermöglicht biochemische Reaktionen im Inneren der Pflanze und macht 75 bis 95 Prozent der gesamten Pflanzenmasse aus. Kurz gesagt: Ohne ausreichend Wasser steht der gesamte Stoffwechsel einer Pflanze still.

Fehlt Wasser über einen längeren Zeitraum, gerät die Pflanze in dauerhaften Stress. Sinkt die Bodenfeuchtigkeit unter den sogenannten permanenten Welkepunkt, nimmt die Pflanze bleibenden Schaden – die Zellen kollabieren, Blätter vertrocknen, Früchte bleiben klein oder fallen ab. Gemüse verliert dabei nicht nur an Ertrag, sondern auch merklich an Geschmack und Qualität.

Besonders kritisch ist die Wasserversorgung in zwei Phasen: kurz nach der Aussaat, der Keimung des Saatguts oder dem Auspflanzen, wenn das Wurzelsystem noch schwach ist, und während Blüte und Fruchtansatz, wenn die Pflanze maximale Energie braucht. In diesen Phasen darf die Wasserversorgung keinesfalls abreißen.

Tiefenwässerung – Wie erziehe ich die Wurzeln richtig?

Nicht nur wie viel, sondern vor allem wie tief das Wasser ankommt, ist entscheidend. Wer immer nur die obere Bodenschicht befeuchtet, zwingt die Wurzeln seiner Pflanzen nach oben. Diese Zone trocknet bei Hitze allerdings auch als Erstes aus. Die Folge: Die Pflanzen können sich nicht über einige Zeit selbst versorgen und erleben jeden Trockentag als Stressereignis.

Besser ist: seltener gießen, dafür aber ausgiebig und tief. Damit das Wasser zehn Zentimeter tief in den Boden eindringt, sind etwa zehn Liter pro Quadratmeter nötig. Eine einfache Spatenprobe – nach dem Gießen den Spaten in den Boden stecken und schauen, wie weit die Feuchtigkeit reicht – zeigt ehrlich, ob das Wasser wirklich ankommt, wo es gebraucht wird. Ich habe auch gute Erfahrung mit einem kleinen Stock gemacht. Bei 15 cm habe ich einen Ring eingekerbt. Den Stock bis zu diesem Ring in den Boden Stecken und schauen wie weit die Spitze mit feuchter Erde besetzt ist.

Wann gießen?

Morgens gießen ist eine gute Regel – nicht bei praller Mittagssonne und möglichst nicht am Abend. Zur Mittagshitze kann bei falscher Bewässerungsmethode (auf diese gehen wir näher im zweiten Teil ein) das Wasser auf Blättern wie ein Brennglas wirken und Verbrennungen verursachen; hinzu kommt, dass die Verdunstung in der Hitze enorm ist und ein Großteil des Wassers nie in tieferen Schichten und damit bei den Wurzeln ankommt. Abendliches Gießen hingegen erhöht die Gefahr von Pilzkrankheiten, weil die Feuchtigkeit zu lange auf Blattoberflächen verweilt.

Auch die Wassertemperatur spielt eine Rolle: Kaltes Leitungswasser direkt aus dem Hahn bedeutet Stress für die Pflanze. Wasser, das sich in einer Tonne oder einem Tank vorgewärmt hat, wird deutlich besser aufgenommen – und stammt im besten Fall ohnehin aus der Regentonne.

Der Wasserbedarf variiert stark je nach Kultur: Äpfel und Blumenkohl benötigen von Mai bis Oktober rund 400 Liter pro Quadratmeter, Zierrasen sogar bis zu 800 Liter im Jahr. Schon dieser direkte Vergleich zeigt, warum es sinnvoll ist Rasenflächen möglichst klein zu halten. Gemüse sind echte Hochleistungspflanzen in Sachen Wasserverbrauch – vor allem während Blüte und Fruchtansatz. Starkzehrer wie Tomaten, Kürbis oder Sellerie brauchen deutlich mehr als Salat oder Kräuter – wer das bei der Beetplanung berücksichtigt, kann gezielter gießen.

Welcher Boden hält wieviel Wasser?

Nicht jeder Boden ist gleich, und das macht einen enormen Unterschied beim Wasserhaushalt. Sandige Böden lassen Wasser schnell durch, speichern aber wenig – Pflanzen trocknen rasch aus, Gießintervalle müssen kürzer sein. Lehmige und tonreiche Böden halten Wasser deutlich länger, können es bei zu viel Nässe aber auch sperren und Staunässe erzeugen.

In einer 10-cm-Schicht speichert

  • Sandboden: ~11 Liter/m²
  • Humoser Lehmsand: ~13 Liter/m²
  • Lehmboden: ~18 Liter/m²

Zur Orientierung: Sandige Böden brauchen etwa alle 3–4 Tage Bewässerung (10–15 l/m²), schwere Lehmböden erst nach 7 Tagen (15–25 l/m²).

Der wichtigste Mitstreiter zur Verbesserung der Wasserspeicherkapazität im Boden ist Humus. Humusreiche Böden puffern Feuchtigkeit, geben sie langsam und gleichmäßig ab und schaffen ein stabiles Bodenmilieu, das auch bei Hitze länger feucht bleibt. Wer regelmäßig Kompost, Mulch und organisches Material einbringt, verbessert die Wasserhaltefähigkeit seines Bodens Jahr für Jahr – vollkommen unabhängig von der Ausgangsbodenart.

Warum Wassersparen im Kleingarten Pflicht ist

Wasser ist keine Selbstverständlichkeit. Die Trinkwasserpreise steigen, die Grundwasserspiegel sinken in vielen Regionen, Trockenperioden im Sommer werden häufiger und länger. Das ist keine ferne Zukunft – es ist die Gegenwart in vielen Teilen Deutschlands. Gleichzeitig wachsen Städte, die Bevölkerungszahlen steigen und damit auch der Wasserbedarf.

Dabei geht es beim Wassersparen nicht darum, den Garten zu vernachlässigen oder verdorren zu lassen. Es geht darum, Wasser gezielt dort einzusetzen, wo es wirklich nötig ist. Auch im Kleingarten lässt sich mit kluger Planung der Wasserverbrauch deutlich senken, ohne dass die Ernte darunter leidet. Ein Weg ist es so viel verfügbares Regenwasser wie möglich zu sammeln und zu nutzen, bevor es abläuft und wohlmöglich in der Kanalisation verschwindet.

Regenwasser sammeln – so geht’s

Trinkwasser ist ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel und sollte auch als solche behandelt udn nicht unkritisch im Garten verregnet werden. Besser ist es Regenwasser zu sammeln, denn Regenwasser ist ein wahres Geschenk: kostenlos, kalkarm, natürlich temperiert – ideal für alle Pflanzen und besonders für solche, die empfindlich auf hartes Leitungswasser reagieren. Dazu gehören im Nutzgarten Blaubeeren und im Ziergarten unter anderen Azaleen und Rhododendren. Regenwasser fällt kostenlos. Im – zum Kleingarten vergleichsweise – größeren Maßstab bedeutet das: Ein Vier-Personen-Haushalt kann durch konsequente Regenwassernutzung mehrere zehntausend Liter wertvollen Trinkwassers pro Jahr einsparen.

Die einfachste Lösung ist die klassische Regentonne am Fallrohr – günstig, leicht zu installieren, sofort wirksam. Wer mehr Kapazität will oder einen größeren Garten bewässert, greift zur Zisterne: ober- oder unterirdische Tanks mit 500 bis über 5.000 Litern Fassungsvermögen, die sich gut mit einer kleinen Pumpe und einem Bewässerungssystem koppeln lassen. Allerdings gilt es vor größeren Baumaßnahmen immer die jeweilige Gartenordnung zu Rate zu ziehen, oder beim Vorstand nachzufragen.

Noch ein paar wichtige Hinweise für die Praxis:

  • Dachmaterial beachten: Ziegel und Beton sind ideal. Dächer mit Bitumen, Zink oder Kupfer können Schadstoffe ins Wasser abgeben – hier lieber keinen Regenwasserspeicher anschließen
  • Überlauf sinnvoll gestalten: Der Überlauf sollte in ein Beet, eine Mulde oder eine Versickerungsfläche fließen – nicht in die Kanalisation
  • Regenwasser ist kein Trinkwasser: Es darf nicht ohne Anmeldung beim zuständigen Wasserversorger ins Hauswassernetz eingespeist werden

Für die Gartenbewässerung ist Regenwasser überall in Deutschland grundsätzlich erlaubt und ausdrücklich erwünscht. Kommunale Regelungen und Vereinssatzungen können im Einzelfall abweichen. Auch hier gilt: Ein kurzer Blick in die Gartenordnung ist nie verkehrt.

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